Unsere Mühle
Gymnichs Anfänge
EMINIACUM hieß vor 2000 Jahren unser Dorf. Das war damals, als die Kelten noch hier ansässig waren und das ganze weite Land westlich des Rheines bis zum Ozean hin besiedelten. Diese Kelten wurden um das Jahr 50 vor Christi Geburt von dem römischen Feldherrn Julius Caesar, dem späteren ersten Kaiser des römischen Weltreiches, unterworfen. Somit gerieten alle linksrheinischen Lande, also auch unsere engere Heimat, unter römische Herrschaft. Mehr als 40O Jahre lang blieben die Römer die Herren im Lande und hielten an ihrer stark befestigten Rheinfront die unruhigen Germanen in Schach. Diese lange Zeit geordneter römischer Verwaltung hat auch unserer Heimat den Stempel aufgedrückt. Zwar finden wir in der Gymnicher Dorfgemarkung nicht so überzeugende Reste römischer Bauten wie in Köln, Bonn, Neuss, Xanten, Zülpich und an vielen anderen Orten; auch durchzog unser Land ein nicht so meisterliches Werk wie der Römerkanal, der das Wasser von Urft und Nettersheim in der Eifel bis nach Köln leitete. Doch nicht weit von hier in Gleuel, Hürth, Hermülheim und im Grüngürtel von Köln hat man Zubringerleitungen zu der großartigen Wasserleitung aus der Eifel gefunden. Aber eine Römerstraße führte durch unser Dorf, und zwar von Köln über Lindenthal, Gleuel, Gymnich, Wissersheim nach Nörvenich. Hier mündete sie in die Heerstraße Zülpich-Neuss. Dass hier in unserer so fruchtbaren Dorfgemarkung viele römische Gutshöfe gestanden haben, das merken zu ihrem Ärger heute noch manche Gymnicher Landwirte. Beim modernen Tiefpflügen, um den Boden für den Zuckerrübenanbau möglichst tief aufzulockern, fördern sie auf manchen Parzellen römische Ziegel zutage. So massiert treten in den letzten Jahren die Ziegelscherben auf, dass die betreffenden Landwirte sich genötigt sehen, sie aufzulesen und abzufahren. Fünf solcher Fundstellen sind bekannt, verstreut über die ganze Gemarkung und vom Landesmuseum Bonn in entsprechende Karten eingetragen.
Ja, was nach der Römerzeit sich hier bei uns tat, das ist im einzelnen in Dunkel gehüllt. Jedoch aus der Geschichte wissen wir, dass in den letzten Jahrhunderten römischer Herrschaft in unserem Lande die keltische Bevölkerung immer mehr mit germanischen Elementen durchsetzt wurde. Die Römer siedelten aus dem rechtsrheinischen Raum landhungrige germanische Bauern an, die ihnen nun mehr halfen, die stets bedrohte Rheinlinie zu sichern und zu halten. Die Römer nannten später diese ihre hiesige Provinz Niedergermanien, im Gegensatz zu Obergermanien, das am Vinxstbach zwischen Ahr- und Brohltal begann. Der Druck der rechtsrheinischen Stämmne wurde immer stärker. Schließlich überrannten die Franken Ende des 4. Jahrhunderts den Grenzwall der Römer, den Limes, und überfluteten unser Land und drangen weit nach Westen über Maas und Schelde bis nach Flandern und Nordfrankreich vor. Das waren die Rheinfranken, die sich von den Mosel-, Main- und Salfranken unterschieden. Das keltisch-römische Volkselement verlor ganz seine Bedeutung. Seither ist unser Dorf rheinfränkisch, und von diesen Ranken stammt die alteingesessene Bevölkerung ab. Sie trägt noch heute deutlich die charakteristischen Stammeszüge der Rheinfranken.
Der bedeutendste Heerkönig der Rheinfranken war Chlodwig, der unser Land vor den Alemannen schützte und sie mit Hilfe unserer tapferen Vorfahren, den fränkischen Hundertschaften, vernichtend bei Zülpich schlug. Das war im Jahre 496 nach Christi Geburt Noch eine andere besondere Bedeutung hatte das Jahr 496 für uns. Chlodwig hatte in dieser Schlacht gelobt, sich zum Christentum zu bekehren. Seine Mannen folgten seinem Beispiel, und seither ist unser Land christlich. Wir waren die ersten Westgermanen, die zum Christentum und damit zu höherer Gesittung und Kultur fanden. Allenthalben wurden christliche Kirchen gebaut. Köln wurde unsere Bischofsstadt.
FRÜHE KIRCHE UND PATRON
Auch in Gymnich muss schon sehr früh eine Kirche errichtet worden sein. Das geht aus dem Namen hervor. Sie ist ja dem hl. Kunibertus geweiht. Der hl. Kunibertus war Bischof von Köln und verstarb im Jahre 663. Es ist zu vermuten, dass nicht allzu lange Zeit später in Gymnich die erste Kirche gebaut wurde. Schon zu Zeiten Karls des Großen, um 800 n. Chr., stand nach einem aus dem Jahre 1310 stammenden Einschätzungsbuche unser Gotteshaus bereits im Range einer Pfarrkirche. Die Pfarrkirchen der damaligen Zeit unterstanden in der Regel einem bedeutenden Kloster, einer Abtei. So ist bezeugt, dass schon im Jahre 1150 die Benediktiner-Abtei Siegburg einen Fronhof in Gymnich besaß und dass die Pfarrkirche der Siegburger Abtei unterstand und an sie den Zehnten entrichten musste. Auf dem Rückgiebel des heutigen Pfarrhauses ist noch das Siegburger Wappen eingelassen, das von dem alten Pfarrhof, der einstigen Siegburger Probstei, beim Neubau des Pfarrhauses im Jahre 1874 übernommen wurde. Ein Ritter Azzelin von Gymnich wird als Verwalter dieses Fronhofes genannt. Von dieser ganz alten Kirche ist nichts in unsere Zeit hinübergerettet. Es ist eindeutig klar, dass im Mittelalter hier ein gotischer Bau gestanden hat.
SCHLIMME ZEITEN
Mancherlei von Pest und Krieg erzählt uns Vikar Fabritius aus seiner Zeit. In den Jahren 1645 und 1666 wütete die Pest und raffte Tausende aus unserer Gegend dahin, so dass die Dörfer fast verödeten. Feindliche Kriegsvölker berannten 1642 vergeblich die kurkölnische Landesburg zu Lechenich. Da sie in Lechenich nichts ausrichten konnten, brandschatzten sie die umliegenden Dörfer, so auch Gymnich, und zerstörten die Burg zu Gymnich. Die Einwohner des Dorfes, so berichtet Burgkaplan Albertus Fabritius, sind mit dem Pfarrer und ihm für ein volles Jahr nach Köln geflüchtet. Für diese Zeit rief keine Glocke zum Gottesdienst, kein Umritt und keine Prozessionen wurden gehalten. Hunde und Katzen streunten durch das Dorf, Gärten und Felder verwilderten, und es war eine sehr böse Zeit für Kirche, Burg und Dorf. Die Burgherrschaft war mit ihren Kostbarkeiten und dem Pfarrarchiv sogar nach Bamberg geflohen. Dieser Vikar Fabritius ist auch noch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert. Er gründete 1633 in Gymnich die erste Volksschule, die er selbst fast 4O Jahre lang leitete. Sie war untergebracht im jetzigen Hause Herberz, Am Flutgraben 1. Der holzgeschnitzte, etwas steife Kruzifixus, der jetzt an der linken Chorwand hängt mit der Jahreszahl 1664, ist eine Stiftung und ein ewiges Andenken an diesen hochgemuten und frommen Mann. An diese schlimmen Zeiten der Pest und Kriegswirren sollen uns auch erinnern die beiden St.-Rochus-Statuen und die Statue des hl. Sebastianus in unserer Kirche. Das Dorf und seine Menschen waren arm geworden in diesem 17. Jahrhundert.
KIRCHENNEUBAU (1759) UND DORFBRAND (1786)
Erst hundert Jahre später waren die Wunden der bösen Zeit vernarbt. Nunmehr konnte man im Jahre 1759 daran denken, das recht baufällig gewordene Langschiff der Kirche abzureißen und ein würdiges Gotteshaus zu bauen. Es wurde im Geiste der damaligen Zeit im Barockstil geplant und vollendet. Der großartige, weit in die Lande schauende Zwiebelturm krönte das Werk. Siebzehn hundert Reichstaler musste die Pfarrgemeinde aufnehmen und Jahrzehnte die schwere Zinsen- und Schuldenlast tragen.
In unseren Tagen wurde diese altehrwürdige Stätte frommer Gottesverehrung zu neuem Glanz erweckt. Pfarrherr, Kirchenvolk und sachkundige Denkmalpfleger haben ein Kleinod geschaffen, das immer lauter in unserer Erftlandschaft gepriesen wird als ein Zeichen schöner rheinischer Barockkunst. Die beiden barocken Seitenaltäre und die Kanzel stammen aus der abgebrochenen Kölner Stiftskirche „St. Maria ad gradus", die in unmittelbarer Nähe des Domes stand. Es sind Werke des berühmten Kölner Bildhauers Johann Franz van Helmont. Der Hauptaltar, der sich hierzu gut einfügt, stammt aus der Pfarrkirche zu Merten an der Sieg.
Das 18. Jahrhundert, das nach den Wirren des 30jährigen Krieges den Neubau der Kirche und den Wiederaufbau des Dorfes sah, endete böse. 1777 wütete erneut die Pest. Das sogenannte Missionskreuz zwischen Vikarie und St. Josefskloster, gestiftet von den Eheleuten Berghaus aus Köln, erinnert an diese letzte Pestzeit. - Im Jahre 1786 legte der große Brand fast den ganzen Ort in Schutt und Asche. Von der heutigen Schützen- und Spillesstraße bis zur Kerpener Straße blieb kein Haus verschont. Eng standen damals die Reihen der Häuser sich gegenüber. Beim Wiederaufbau des Dorfes mussten die Häuser weiten Abstand von der Straßenmitte nehmen. Diesem Umstand verdanken wir die jetzige breite Hauptstraße von der Schützen- bis zur Kerpener Straße.
FRANZOSENZEIT (1794 - 1814)
Und nun beginnt eine neue Zeit. 1794 rückten die französischen Revolutionstruppen in das linke Rheingebiet ein, und unsere Heimat wurde, wie alle linksrheinischen Lande, französisch. Gymnich wurde dem Kanton Lechenich im Departement «de la Roer» unterstellt. Verwaltung und Amtssprache wurden französisch. Die Gymnicher Jungburschen mussten in der französischen Armee dienen und in den napoleonischen Kriegen auf den Schlachtfeldern Europas mitkämpfen. Manch einer aus unserem Dorf zog mit der „Großen Armee" unter Napoleon 1812 quer durch Europa ins weite, weite Rußland bis nach Moskau. Einer davon, das ist verbürgt, hat zurückgefunden ins Dorf mit erfrorenen Füßen und einer goldenen Kette, ein Geschenk des großen Korsen. Über 2O Jahre waren wir Teil der großen französischen Republik und Paris war unsere Hauptstadt. Nach Napoleons Niederlage wurde unser Land als Rheinprovinz dem preußischen Staate zugeschlagen.
RUHIGES 19. JAHRHUNDERT - BAUTÄTIGKEIT
Ein ruhiges Jahrhundert bahnte sich an. Kein Krieg und keine Seuchen suchten das Dorf heim. Der Besuch der Volksschule wurde für alle Kinder verbindlich. Die Schule wurde im Jahre 1838 aus der Burgstraße in das Gebäude des späteren Bürgermeisteramtes verlegt, und 1872 wurde neben dem Amtsgebäude eine neue Schule gebaut, die heute längst abgerissen ist Wie wohl überall in den alten Dörfern wurden die Toten bei uns rund um das Gotteshaus begraben. Der Kirchhof war der Friedhof. Allzu eng wurde der Platz für all die Verstorbenen, die hier Generation um Generation, wohl 1000 Jahre lang, übereinander gebettet wurden. Im Jahre 184l kaufte die Gemeinde vom derzeitigen Schlossherrn Max Felix, Reichsgraf Wolff-Metternich zur Gracht, das Gelinde der 'Neuburg' in nicht allzu weiter Entfernung von der Kirche. Erst mussten dort die schweren Kellergewölbe aus alter Zeitgesprengt werden. So ist es zu verstehen, dass heute noch der Totengräber beim Ausheben mancher Gräber auf allerlei Schutt und Geröll stößt. Das große Friedhofskreuz wurde damals gesetzt. Es trägt die Jahreszahl 1841 Viele schöne steinerne Grabkreuze, die meisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wurden vom alten Kirchhof an die Randwege des neuen Friedhofes versetzt. In der Mitte wurde in den siebziger Jahren ein Ehrenmal errichtet, worauf die Namen der Dorfbewohner verzeichnet sind, die an den Feldzügen 1849, 1864, 1866 und 1870/71 teilgenommen haben.
1. WELTKRIEG UND BESATZUNG
Die Kriege des 19. Jahrhunderts berührten unser Dorf kaum. Auch der 2. Weltkrieg ließ das Dorf äußerlich ungeschoren. Doch Leid und Kummer um gefallene Ehemänner, um Söhne und Brüder brachte er im Übermaß. Zu Ende des Krieges, in den Novembertagen des Jahres 1918, zogen Regimenter um Regimenter müder, abgekämpfter Fronttruppen aus Richtung Mellerhöfe durch unser Dorf. Manche bezogen für eine kurze Nacht Quartier in unseren Häusern und Scheunen, um am nächsten Tag im Morgengrauen eiligst dem Rhein zuzustreben. Englische Besatzungssoldaten kamen und gingen, und ein armer Friede war im Lande. Wirtschaftliche Verelendung, Arbeitslosigkeit und politische Zerrissenheit waren in den folgenden Jahren der Nährboden, auf dem eine grauenhafte Saat gedieh und der die Herrschaft des Nationalsozialismus über uns alle brachte.
NEUES SYSTEM UND 2. WELTKRIEG
Die ersten Opfer dieses Systems in unserem Dorfe waren die Familien jüdischen Glaubens. Seit undenklichen Zeiten wohnten sie unter uns. Die ansehnliche jüdische Gemeinde hatte eine stattliche Synagoge und einen eigenen ausgedehnten Friedhof. Die jüdischen Kinder saßen mit den anderen Kindern in den gleichen Schulbänken, spielten und rauften mit und untereinander, wie das bei Kindern üblich ist. Auch unter den Erwachsenen, ob Jude oder Christ, da war kein großer Unterschied. Sie verkehrten freundschaftlich nachbarlich miteinander und machten ihre Geschäfte untereinander. Aber das neue System wollte es, dass die jüdischen Mitbürger plötzlich die Verkörperung alles Bösen waren. Eines Tages wurden sie wie Vieh zusammengetrieben, verladen und nach den Gaskammern und Konzentrationslagern transportiert. Keiner von ihnen kam zurück, ausgelöscht waren die Familien, und nur der Judenfriedhof mit den alten Grabsteinen erinnert noch an sie. Und nun begann Hitler seinen verbrecherischen Krieg. Unendliches Elend brachte er über das Dorf. Gefallene, Vermisste und Verstümmelte gab es in grausiger Zahl. Von Bomben, Luftminen und Granaten wurden das Dorf und seine Bewohner getroffen. Die Grabkreuze des Ehrenfriedhofes im Vogelsang tragen die Namen all derer, die irgendwo auf den weiten Schlachtfeldern Europas und Afrikas als Soldaten den Tod fanden oder in den Trümmern ihrer zerbombten Häuser umkamen.
NACH 1945
Der große, schreckliche Krieg ging zu Ende! Nach Tagen des Harrens und Bangens standen an einem Vorfrühlingsmorgen die fremden Soldaten im Dorf. Aus Bunkern und Kellern krochen die Bewohner und atmeten tief erleichtert auf. Sie hatten vor der Gewalt des Krieges das Dorf nicht räumen müssen, nicht als Flüchtende Haus und Hof verlassen. Ein neuer Anfang konnte auf uraltem Grund beginnen. Das Neue musste sich einfügen in das Alte, und die Wurzeln waren nicht abgeschnitten, aus denen auch die Kommenden ihre Kraft ziehen können bis in ferne Zeiten, solange der Zwiebelturm der Kirche des hl. Kunibert herabschaut auf das Dorf zu seinen Füßen, solange das Dorf Menschenkindern Heimat und Geborgenheit bedeutet.
BURG GYMNICH UND GESCHLECHT DER "GYMNICH"
Aufs Engste verbunden mit den Geschicken der Kirche des hl. Kunibert und des Dorfes ist seit ältesten Zeiten die Burg von Gymnich und das ritterliche Geschlecht derer von und zu Gymnich. In den Zeiten der fränkischen Landnahme und in den Jahrhunderten danach folgten die freien fränkischen Bauern in ihren Hundertschaften ihrem König zu Krieg und Schlacht. Im 8. und 9. Jahrhundert änderte sich die Wehrverfassung grundsätzlich. An die Stelle des Massenaufgebotes aller Freien trat immer mehr der gut ausgerüstete und entsprechend ausgebildete Einzelkämpfer, der für gewöhnlich beritten war. Die Ausrüstung eines Ritters war kostspielig. Es blieb ihm auch kaum Zeit, den eigenen Hof zu bestellen. So war es sinnvoll, dass er mit Land und Leuten belehnt wurde, damit er seine Aufgabe erfüllen konnte. Ein solcher Ritter, mit besonderen Rechten ausgestattet, saß auch in sehr früher Zeit in Gymnich, und er erbaute sich, angelehnt an die Erft, seine Burg. Wie schon erwähnt, wird in einer Urkunde vom Jahre 1150 ein Azzelin von Gymnich als Vogt der Siegburger Abtei auf dem Fronhof zu Gymnich genannt. Das Geschlecht der Ritter von Gymnich blühte in den folgenden Jahrhunderten mächtig auf. Immer häufiger wird in dem Urkundenbuch von Lacomblet nun das Rittergeschlecht derer von Gymnich erwähnt Mächtige und reiche Herren waren die von Gymnich. Sie dienten ab wechselnd den beiden bedeutendsten Landesherrn im linksrheinischen Raum, den Erzbischöfen und späteren Kurfürsten von Köln und den Grafen und Herzögen von Jülich.
RITTER ARNOLD - DER KREUZFAHRER
Die hervorragendste Gestalt in der langen Reihe der Frühen Ritter von Gymnich war Ritter Arnold. Nicht nur in den Urkunden von Lacomblet, sondern auch bei Cäsarius von Heisterbach, in Huyskens Aachener Heimatgeschichte, in Franquinets "Orkonden en Bescheiden von de Abdij Kloosterrade" und in der Schrift von Oidtman "Das Geschlecht Gymnich" wird der Name dieses bedeutenden Mannes oft genannt Sein Wirken strahlte nicht nur in weiten Bereiche des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus, sondern darüber hinaus in den Gesamtbereich der abendländischen Christenheit Nach diesen Urkunden lässt sich ein anschauliches Bild dieses außergewöhnlichen Mannes zeichnen. Er war der Sohn einer Helswindis und wuchs auf der Burg zu Gymnich auf. Schon als Knabe kam er nach der Sitte der Zeit als Knappe in die Obhut eines befreundeten Ritters. Hier erlernte er alle ritterlichen Künste, aber auch höfische Zucht und Sitte sowie den Minnedienst, den Dienst bei den höfischen Frauen, um dann würdig zu sein, zum Ritter geschlagen zu werden. Als Ritter schloss er sich zuerst dem Grafen von Jülich an und kämpfte 1211 nach einem alten Bericht in dessen Fehden gegen andere rheinische Grafen. Dann wird er 1218 als Lehnsmann des Kölner Erzbischofs in einer Urkunde genannt Bald kommt Ritter Arnolds große Zeit! Im Jahre 1217 waren die Ritter der abendländischen Christenheit zum 5. Kreuzzug aufgebrochen. Eine starke Mannschaft stellte die rheinische Ritterschaft unter Führung des Kölner Domherrn Oliverus. Sie zogen über Flandern zur Kanalküste und setzten über nach Dartmouth am Ärmelkanal, um von hier aus, wie schon 1190 Richard Löwenherz, die weite Fahrt ins heilige Land anzutreten. Akkon an der Küste Palästinas war der Hauptstützpunkt der Kreuzfahrer. Um das heilige Land gegen die Sarazenen zu sichern, galt es in diesem Kreuzzug, deren Hauptstützpunkt Damiette im Nildelta zu erobern.
VOR DAMIETTE (NILDELTA) - 1219
Sie brachen also von Akkon auf und lagerten am 1. Juni 1218 vor der Stadt. Mitten in dem Nilarm vor der Stadt Damiette stand ein mächtiger Turm mit einer starken Besatzung in 7O Räumen. Die Durchfahrt auf dem Nil war durch Sperrketten, vom Festungsturm zu den Ufern gespannt, verhindert. Es galt daher, ehe mit der Belagerung der Stadt begonnen werden konnte, den Turm zu erstürmen. Auf den Rat des Kölner Domherrn verbanden die Kölner zwei kleinere Schiffe, auf denen sie turmartige Gerüste errichteten. Am 14. August erstürmten die Kölner den Kettenturm. Nun konnte die langwierige Belagerung der Stadt beginnen. Hier im Lager von Damiette haben wohl der Graf von Jülich und mit ihm Ritter Arnold, die später zum Kreuzzug aufgebrochen waren, das Kreuzfahrerheer eingeholt. An den umständlichen Belagerungskämpfen nahm Ritter Arnold teil. Die Belagerung zog sich bis zum 5. November 1219 hin. Während der Belagerung im Jahre 1219 wird Ritter Arnold in einer Urkunde als Zeuge benannt, mit der Graf Wilhelm von Jülich dem Deutschen Orden das Reichslehen Bergstein und die Kirchen zu Nideggen und Siersdorf schenkte. Ob Ritter Arnold am 5. November 1219 an dem sehr gewagten Sturm auf die Stadt Damiette, den der päpstliche Legat Pelagius gegen den Willen der besonnenen Kreuzfahrer unternahm, teilgenommen hat, ist nicht erwiesen. Der verwegene Sturm auf die Stadt gelang, und Damiette wurde erobert. Aber das Verhängnis kam für das Christenheer, als der siegestrunkene päpstliche Legat, ohne das Hinterland zu sichern, den Marsch auf Giro antrat. Dem Kreuzfahrerheer wurden die rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten und deren Flotte besiegt. Die Sarazenen durchstachen die Nildämme und zwangen die Kreuzfahrer zum Rückzug durch das überflutete Land. Ritter Arnold wird in große Not geraten sein
ARNOLDS SCHWUR - GYMNICHER RITT
Und hier sieht die Sage den Ritter Arnold, wie er mühsam mit seinem Pferde versucht, sich aus dem Sumpfe zu retten auf festes, sicheres Land. Immer wieder wagt das Ross, vom Ritter zur größten Kraftanstrengung angespornt, den rettenden Sprung. Vergebens scheinen alle Mühen zu sein. Da, in schier aussichtsloser Not, erhebt Ritter Arnold seine Schwurhand und gelobt Gott dem Allmächtigen: "Wenn Du, o Herr, mich rettest aus dieser großen Not, dann will ich mit meinen Mannen, Dir zur Ehr, alljährlich einen Ritt halten um die Gemarkung meines Heimatdorfes Gymnich, und meine Nachfahren sollen es halten und tun so bis in fernste Zeiten." Kaum hat der Ritter das Gelöbnis getan, da fliegt schwirrend ein Schilfhuhn auf, erschreckt das Pferd, das sich noch einmal aufbäumt und mit gewaltigem Sprung sicheres Land gewinnt So erzählt die Sage! Deutet nicht auch das Schilfhühnchen auf dem Wappenhelm der Herren von Gymnich auf dieses Ereignis hin?
KAISERLICHE URKUNDEN DER STAUFERZEIT
Ritter Arnold findet vom Nil zurück nach Süditalien, wo Kaiser Friedrich II. Hof hielt. Und hier gewinnt Arnold die Huld des mächtigen Staufers Friedrich, des abendländischen Kaisers, der im Begriffe war, von Palermo auf Sizilien aus ein Weltreich zu formen, das dem der alten Römer nicht nachstehen sollte an Macht und Ausdehnung. Im Jahre 1222 wird Arnold von Gymnich in einer kaiserlichen Urkunde genannt, worin der Kaiser dem Grafen von Geldern gestattet, den Zoll auf dem Rhein statt bei Arnheim in Lobbith zu erheben. Der Kaiser muss den hochgemuten Herrn von Gymnich sehr geschätzt haben, und er hat ihn sicher seinem Sohne, der als König Heinrich VII. in Deutschland seinen ständig im fernen Sizilien weilenden Vater vertrat, als klugen Ratgeber empfohlen. In einer Urkunde vom Jahr 1225, in der König Heinrich die Abtei Altenberg in seinen Schutz nimmt und ihr Zollfreiheit bei Boppard und Kaiserswerth gewahrt, tritt Arnold von Gymnich als Zeuge auf. Ebenso in einer Urkunde, in der Graf Wilhelm von Jülich die Schenkung seines Vaters an den Deutschen Orden bestätigt In einer königlichen Urkunde des Jahres 1227 wird Ritter Arnold zusammen genannt mit Wilhelm, dem Vogt zu Aachen. Mit diesem kaiserlichen Vogt von Aachen steht Arnold in dem Streite, der wieder einmal zwischen Kaiser und Papst entbrannt war, auf der Seite des Kaisers und vertreibt mit Wilhelm 1230 den päpstlichen Legaten aus Lüttich. Das Vertrauen des Kaisers beruft Arnold von Gymnich 123l zum Nachfolger Wilhelms als kaiserlichen Vogt und Schuldheiß von Aachen. Nach einer Urkunde des Jahres 1231 schenken Arnold und seine Gemahlin Jutta der Abtei Burtscheid, in der ihre Tochter Helwindis Äbtissin und eine andere Tochter Nonne war, die Neckelsmühle am Bieverbach. Im Jahre 1238 verstarb Ritter Arnold. Mit ihm ging ein Mann dahin, der weit über die Enge seines heimatlichen Bereiches gewirkt hat, der Abendland und Morgenland auf seinen weit gespannten Zügen kennen gelernt hatte, der nicht nur ein treuer Gefolgsmann des Grafen von Jülich war, sondern auch kaiserliche und königliche Gunst genoss und im Reiche des Kaisers Stellvertreter gewesen ist. Reichtum und Ansehen ist ihm in reichem Maße zugeflossen. So ist es zu verstehen, dass die nachfolgenden Generationen bis heute hin in ihm den Stifter des uralten Brauches des Gymnicher Rittes sehen, den er nach wunderbarer Rettung aus den Nilsümpfen Gott gelobt haben soll. Über siebenhundert Jahre hin ist so das Gedächtnis an diesen hochgemuten Mann wachgeblieben in den Herzen seiner Gymnicher, die alljährlich am Feste Christi Himmelfahrt seinem Gelöbnis getreu, singend und betend zu Pferd und zu Fuß durch die Fluren des Dorfes ziehen. Nicht minder mächtig und reich erscheinen in den Annalen derer von Gymnich die Nachfolger dieses ersten Arnold. Sein Sohn Arnold II. amtiert ebenfalls als Schultheiß zu Aachen und ist so reich, dass er König Konrad ein Darlehen gewähren kann. Ein Arnold III., der 1319 stirbt, ist Besitzer von Gütern zu Heppendorf und Setterich. Ebenso besaß er einen großen Wald bei Wiln und Güter zu Holtrop und Niederaußem. Im 14. Jahrhundert wird ein Heinrich I. von und zu Gymnich als Burgmann des Erzbischofs von Köln zu Lechenich und Altenahr genannt Er ist schon Herr zu Vischel, einer uralten Burg mit ausgedehnten Waldungen in dem waldreichen Gebiet zwischen Rheinbach und Altenahr, die heute noch zu den Besitzungen des Schloßherrn von Gymnich gehören.
JOHANN - DER PILGER (1454)
Es kommen auch böse Zeiten über das Rittergeschlecht. 1390 wurden die Burghäuser zu Gymnich, Vischel und Altenahr durch den Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden, mit dem der Herr zu Gymnich in Fehde lag, zerstört Aber welche Feindschaft dauert ewig? Im Jahre 1454 ist ein Ritter Johann von Gymnich wieder Ratgeber und treuer Gefolgsmann des Erzbischofs Dietrich von Moers. Dieser Johann zog 1454 in den Türkenkrieg, und ihm wird die größte Kostbarkeit der heutigen Schlokapelle, nämlich die Kreuzpartikel, zugeschrieben. Aus Dank für die Rettung aus Feindeshand unternahm er eine Pilgerfahrt ins heilige Land. Von dort brachte er das Kleinod mit. Alljährlich wird am frühen Morgen des Chistihimmelfahrtstages die Reliquie im großen Geviert des Schlosshofes in feierlicher Form dem Präsidenten der St.-Kuniberts-Schützen- gesellschaft übergeben, von berittenen Schützen zur Pfarrkirche geleitet und hier einem Geistlichen übergeben. In ein vergoldetes Tragkreuz eingelassen, ist diese altehrwürdige Reliquie Mittelpunkt der Himmelfahrtsprozession, des Gymnicher Rittes. Menschen, Tiere und die weiten Fluren der Dorfgemarkung damit segnend, trägt sie der Priester hoch zu Pferd während des Umrittes.
Eine andere alte Symbolik, die zum Gymnicher Ritt gehört, steht mit dem genannten Ritter Johann in ursprünglichem Zusammenhang. Noch ehe den Kunibertus-Schützen die Kreuzpartikel übergeben wird, zieht zu Pferd und zu Roß die andere Gymnicher Bruderschaft, die sehr alte St.-Sebastianus-Bruderschaft, auf dem Schlosshof auf. Sie empfängt die alte Standarte derer von Gymnich mit Kerbkreuzwappen und Schilfhuhn. Der Schlossherr überreicht sie dem Bannerträger mit den Worten: "Im Andenken an den Kreuzfahrer Johann von Gymnich tragen Sie die Standarte über Gymnichs Fluren, Gott zur Ehr!" 1504 stiftete ein Ritter Johannes die Vikarie und ließ, wie schon erwähnt, den Chor der Pfarrkirche erneuern.
WERNER - DER PRINZENERZIEHER (1574)
Die interessanteste Gestalt der beginnenden Neuzeit aus dem Geschlechte derer von Gymnich ist Werner von Gymnich. Josef Ranke, der sehr verdiente Heimatgeschichtsforscher, hat in einer Abhandlung im Heimatkalender des Kreises Euskirchen von 1962 ausführlich sein Leben und Wirken geschildert Franke schreibt: "Das Leben Werners fällt in das Zeitalter der Reformation und der beginnenden Gegenreformation. Er war Jugendfreund Wilhelms, des Reichen (1539-1592), des Herzogs von Jülich, Kleve, Berg, jenes großen Territorialstaates am Niederrhein. Getragen vom Vertrauen seines herzoglichen Jugendfreundes begann Werner von Gymnich früh seine Laufbahn. Er war zunächst Drost von Jülich; 1547 fungierte er als Abgesandter auf dem Reichstag zu Augsburg, 1562 auf dem Tage zu Frankfurt, auf dem die Wahl Maximilians II. zum König erfolgte. Herzog Wilhelm, in seinen früheren Regierungsjahren in der religiösen Haltung schwankend - seine beiden Töchter waren in der protestantischen Lehre erzogen worden - kehrte, älter werdend, zu seiner ursprünglichen Einstellung zurück und beauftragte, auch wohl aus politischen Gründen, seinen alten Jugendfreund, den überzeugten Katholiken Werner von Gymnich, mit der Erziehung des 1555 geborenen Erbprinzen. 1574 erhielt Werner den ehrenvollen Auftrag, den damals noch nicht ganz Zwanzigjährigen auf einer Bildungsreise als Haushofmeister und Gouverneur zu begleiten.
Erstes Ziel war Wien, die Residenz seines kaiserlichen Oheims, dann Rom, wohin der Erbprinz Karl Friedrich vom damaligen Papst Gregor XIII. (1572 - 1582), der später durch die Einführung der nach ihm benannten Kalenderreform sich einen Namen machen sollte, eingeladen worden war. Mitte Dezember 1574 gelangte die Reisegesellschaft in Rom an, noch rechtzeitig genug, um an der für den Heiligen Abend vorgesehenen feierlichen Eröffnung des neuen Jubiläumsjahres - des Heiligen Jahres - teilnehmen zu können. Der Erbprinz wurde mit Werner von Gymnich im vatikanischen Belvedere untergebracht. Der Papst hatte seine besondere Ehrung bereit; am 1. Januar 1575 wurde nach dem Gottesdienst dem Prinzen der am Weihnachtstage gesegnete Degen mit dem Hute überreicht; bei dieser Investitur sprach Gregor folgende Worte: "Nimm hin dieses Schwert und gebrauche es zur Verteidigung der Kirche gegen die Ungläubigen!" Der Erbprinz erwiderte diese selten erwiesene Ehrung mit dem Versprechen unverbrüchlicher Treue. Über rund vier Jahrhunderte hin hat sich in Rom eine Alabastertafel erhalten, auf der diese für die Deutschen ruhmvolle Szene im Relief festgehalten ist.
Anfang Januar 1575 reisten Werner von Gymnich und der Erbprinz südwärts nach Neapel. Sie kehrten Anfang Februar nach Rom zurück. Karl Friedrich starb aber bereits am 9. Februar an den Blattern, nachdem er vorher noch den Besuch des Papstes empfangen hatte. Groß war die Trauer all derer, die ihn auf italienischem Boden kennengelernt hatten. Der Papst sandte dem Vater, Herzog Wilhelm, und dem Onkel des Dahingegangenen, Kaiser Maximilian II., tiefempfundene Trostschreiben. Die Beisetzung des Prinzen fand im Chor der deutschen Nationalkirche statt, gegenüber der Grabstätte Hadrians VI. Nächst den Eltern und Geschwistern des Jungherzogs war Werner von Gymnich wie aus einem Bericht an Herzog Wilhelm vom 14.2. 1575 hervorgeht, der am stärksten vom Leid betroffene; seiner sorgenden, sozusagen väterlichen Obhut war Karl Friedrich anvertraut worden; wie sollte er unter die Augen der Eltern treten! Wie stark seine Erschütterung und zugleich seine Sorge vor der ersten Begegnung mit dem schon damals geistigerkrankten Herzog Wilhelm dem Reichen war, geht daraus hervor, dass Werner, während der größte Teil des prinzlichen Gefolges bereits Mitte Februar in die Heimat zurückkehrte, bis in die zweite Hälfte des April in Romverblieb. Erst als ihm Papst Gregor XIII. ein vom 22. April 1575 datiertes besonderes Empfehlungsschreiben an Herzog Wilhelm ausstellte, wagte er die Heimkehr. Das in lateinischer Sprache abgefasste päpstliche Handschreiben, eine unseren Landsmann sehr ehrende Charakteristik, lautet in deutscher Übersetzung: Es kehrt zu Dir zurück Dein geliebter Sohn Werner von Gymnich. Wir können Dir aufs bestimmte versichern, dass bei der Erkrankung unseres geliebten Karl Friedrich nichts von ihm unterlassen worden ist, was auch nur von einem so besonders gewissenhaften und so treuen Menschen geleistet werden konnte, er ist würdig über all seine Tugenden hinaus. Du mögest ihn auch aus diesem Grunde voll Güte aufnehmen und als ganz besonders von uns empfohlen halten. Wir wünschen sehr, dass Du dies tuest; und nach unseren Kräften erbitten wir es von Deiner vornehmen Gesinnung. Wir bekennen offen, dass Du uns damit einen ganz großen Gefallen tun würdest! Werner von Gymnichs Stellung am Hofe und an der herzoglichen Regierung in Düsseldorf ist denn auch unerschüttert geblieben. finden wir ihn als Delegier ten 1579 auf dem Friedenskonvent in Köln und 1580 in Aachen. Hier gehörte Werner zu dem kaiserlichen Untersuchungsausschuss, der - zusammengesetzt aus Kommissaren des Herzogs von Jülich und des Lütticher Bischofs mit dem Rat der Stadt Aachen erfolgreich wegen der dortigen religiösen Unruhen verhandelte. Werner wurde in zunehmendem Maße zu einem der führenden Männer der katholischen Restauration am Niederrhein. Auch zu den wissenschaftlichen Führern der Zeit hatte er Verbindungen. So stand er in freundschaftlichem Briefwechsel mit dem bedeutenden Geografen Mercator in Duisburg. Die dunklen Zukunftsaussichten der Herrscherdynastie werden zweifellos schwer auf Werner gelastet haben. Denn Wilhelm der Reiche unterlag mehr und mehr dem Siechtum; sein jüngerer Sohn aber, Johann Wilhelm, der an sich für den geistlichen Stand bestimmt war und nach Karl Friedrichs Tode für die Aufgaben seines hohen Amtes von Werner erzogen werden sollte, wurde noch zu Lebzeiten seines Vaters selbst von Zuständen geistigen Verfolgungswahnes befallen. Die Erinnerung an das Schicksal der mit ihm 1585 ehelichverbundenen unglücklichen Jakobe von Baden ist im Rheinland heute noch lebendig. 1609 starb Johann Wilhelm als letzter seines Stammes in völliger geistiger Umnachtung. Dies tragische Ende war allerdings im Jahre 1582, in dem Werner von Gymnich von dieser Erde abberufen wurde, noch nicht vorauszusehen."
FREIHERREN-KRONE FÜR DIE "GYMNICH" (1642)
So haben die Herren von Gymnich durch die Jahrhunderte hindurch dem Reich und dem Kaiser, Königen und Fürsten gedient, und sie selbst standen in hohem Ansehen. 1642 wurde ihr Geschlecht in den Freiherrenstand erhoben, und seitdem ziert die siebenzackige Freiherrenkrone das alte Kerbkreuzwappen, wie es in Stein gehauen, links vom Schlosseingang zu sehen ist.
CLEMENS AUGUST - LETZTER "VON GYMNICH" (1739-1806)
Clemens August, geboren im Jahre 1739 im Gymnicher Hof zu Bonn, war der letzte im Mannesstamme derer von Gymnich. Er war Herr zu Gymnich, Vischel, Kleeburg, Dürboslar, Rheindorf, Neurath, Nörvenich, Satzvey und Wald und unter anderem kaiserlicher Generalfeldzeugmeister und Kommandant der Festung Mainz, die er 1792 an die französischen Revolutionstruppen übergeben musste. Er verstarb kinderlos im Jahre 1806,just in dem Jahre, in dem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, dem die Herren von Gymnich von Anfang an bis zum bitteren Ende treu gedient hatten, ein ruhmloses Ende fand. Erbin seiner Güter und Besitzungen war seine Schwester Johanna Maria Magdalena Felicitas. Diese überlebte und beerbte alle ihre sechs Geschwister. Bei ihrem Tode 1825 gingen die ausgedehnten Besitzungen als Patengeschenk über An ihren Großneffen Max Felix, den Reichsgrafen Wolff-Metternich zur Gracht
NEUES BAROCKSCHLOSS ( 1655)
Als Zeuge dieser langen Geschichte des Geschlechtes derer von Gymnich ist uns Heutigen das schöne Schloss Gymnich erhalten. Die alte Burganlage wurde im 30jährigen Kriege zerstört und als Barockschloß im Jahre 1655 neu errichtet Das Schloss liegt eingebettet in einem gepflegten Park, der ob seines alten, vielfältigen Standes an seltenen Bäumen und Sträuchern eine dendrologische Kostbarkeit ersten Ranges darstellt Schloss und Park, Natur und Architektur sind hier in harmonischer Weise ineinander verschmolzen und verzaubern das Herz eines jeden, dessen Sinne dem Schönen aufgetan sind.
So ist Gymnich mit Schloß und Schloßpark, mit seiner Kirche und dem seit Urzeiten gewachsenen Dorf eine Besonderheit in unserer linksrheinischen Heimat, unserer Liebe und unseres Stolzes würdig.